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Bericht über das Schlauf-Abenteuer

 

von Jens Patommel

 

Kombinationswettkämpfe aus verschiedenen Sportarten gibt es ja so einige.

Duathlon, Triathlon, 7-Kampf der Frauen, 10-Kampf der Männer und nicht zuletzt der Dreikampf Schach-Skat-Kegeln (,der in unserer Schachabteilung längst Tradition geworden ist,) sind nur einige Beispiele.

Seit nunmehr drei Jahren ist die Welt um ein weiteres Mehrkampfturnier reicher, denn im Mai 1998 hat der Schachverein aus Rheine den deutschlandweit ersten Schlauf auf die Beine gestellt. Wie der Name schon andeutet besteht ein Schlauf aus den beiden Disziplinen Schach und Laufen. Im ersten Jahr war der Schlauf eher ein vereinsinternes Turnier mit einer Hand voll schachspielender Läufer und laufender Schachspieler. Als ich aber im Jahr 2000 zum ersten Mal beim Schlauf mitmischte, war die Zahl der Schläufer bereits auf knapp zwei Dutzend angestiegen und die Teilnehmer kamen von weither angereist (bis aus Frankfurt a.M. und Berlin).

In diesem Jahr nun schickte unsere Schachabteilung von Concordia Viersen gleich drei Schläufer nach Rheine, nämlich unseren Fidemeister und Amateur-Schachweltmeister Sven Mühlenhaus, unseren Stammspieler am Brett 2 der ersten Schachmannschaft Christian Busch (mit nicht zu unterschätzender Triathlonerfahrung) und den Autor dieses Berichts (mit nicht zu unterschätzender Marathonerfahrung).

Als inzwischen etablierter Raucher und Sportabstinenzler (sofern Schach nicht als Sport mitgezählt wird) war der 10km-Lauf des Schlaufs für Sven eine enorme Herausforderung. Aber auch Christian sollte es beim diesjährigen Schlauf sehr schwer haben, denn ihn plagte ein sehr schlimmer Schnupfen. Beide nahmen aber trotz ihrer Handicaps die Herausforderung an und fuhren am 27.Mai 2001 in aller Frühe mit mir nach Rheine, schließlich sollte ja nicht nur gerannt, sondern auch Schach gespielt werden.

Als wir am Timmermannufer in Rheine ankamen, hatten wir bis zum Start des 10km-Laufs noch reichlich Zeit. Wir schlenderten durch die verschlafene Innenstadt auf der Suche nach einem Frühstück. Kein Stehcafé wollte uns vor 9:30 eintreten lassen, aber zum Glück gab es so einen amerikanischen Schnellimbiß... . Ich für meinen Teil gehe stets mit leerem Magen an den Start (nachdem ich tags zuvor ordentlich gespeist habe) und schaute zu, wie sich Sven eine halbe Stunde vor dem Start den Bauch vollschlug und noch eine letzte Zigarette rauchte. Da er als Untrainierter ohnehin nur gemütlich laufen wollte (als Zeitlimit setzte er sich 80 Minuten) hatte dies wahrscheinlich kaum einen hemmenden Einfluß auf seine Leistungsfähigkeit beim bevorstehenden Lauf.

Pünktlich 10:00 gab es den Startschuß, und auf ging es, 5km lang flußabwärts, dann über den Fluß rüber, 3km am anderen Flußufer flußaufwärts, wieder über den Fluß rüber und schließlich noch die letzten 2km flußaufwärts zum Ziel. Landschaftlich eine sehr schöne Strecke mit Wald, Wiese und Park, zum Laufen aber teilweise etwas schwierig, da der nichtasphaltierte Boden hin und wieder keinen festen Halt gibt.

Ich hatte mir fest vorgenommen, wie im Jahr zuvor einen Steigerungslauf zu machen, langsam beginnend und dann immer schneller werdend. Als Zielvorgabe setzte ich mir 36:00 oder schneller. Es kam jedoch genau umgekehrt. Ich lief den ersten Kilometer viel zu schnell los, konnte das Tempo noch weitere 3 Kilometer halten, ließ dann bei 5km nach und wurde immer langsamer. Erst als ich zwei Kilometer vorm Ziel bemerkte, daß es mit den 36:00 eng werden könnte, raffte ich mich noch einmal zu einem Endspurt auf. In 35:59 erreichte ich als Sieger das Ziel.

Von Christian wußte ich, daß er normalerweise um die 45 Minuten braucht, aber er war ja stark erkältet, also rechnete ich mit ca. 50 Minuten. Aber er kam nicht. Nach 55 Minuten machte ich mir langsam sorgen, sollte er etwa zusammengebrochen sein? Nach knapp 60 Minuten kam Christian dann mit verzogenem Gesicht über die Ziellinie gelaufen. Er sah wirklich nicht gut aus, man sah ihm an, daß er trotz seines Dauerhustens und –schnaubens alles gegeben hatte.

Zwei Minuten nach Christian kam noch die einzige Frau ins Ziel und nun war nur noch Sven  auf der Strecke. Inzwischen hatte ich das Bedürfnis, mich ein wenig auszulaufen, also lief ich Sven entgegen. Ein Kilometer vor dem Ziel kam er dann auch schon anspaziert, neben ihm eine Fahrradfahrerin, deren Aufgabe es war, hinter dem Läuferfeld herzufahren. Sven erzählte mir, daß er die ersten 3km gerannt sei, den Anschluß an das Läuferfeld aber bald verloren hatte. Von da an alternierte er alle 500m zwischen Laufen und Gehen. Die letzten 500m lief er dann wieder und wurde im Ziel mit stürmischem Beifall begrüßt. Mit 75 Minuten benötigte er für die 10km ganze 5 Minuten weniger als geplant.

Vor dem Schnellschachturnier gab es noch die Gelegenheit, in der nahegelegenen Schwimmhalle zu baden. Von dieser Möglichkeit machten wir auch reichlich Gebrauch, und anschließend gingen wir zum Italiener Mittagessen. Dort hatten sich auch fast alle anderen Teilnehmer des Schlaufs eingefunden, und wir hatten eine zwar teure aber gute Mahlzeit.

Frisch geduscht und gut gestärkt traten wir um 14:00 beim 7-rundigen Schnellschachturnier nach Schweitzer System an.

Als Sieger des Laufes hatte ich bereits 24 Punkte erhalten (der zweite 22, der dritte 21, ... , Christian 3, die einzige Frau 2 und Sven als letzter 1 Punkt).

Beim Schachturnier könnte dies jedoch ganz anders laufen, denn es waren wirklich sehr starke Schachspieler dabei. Dies erkennt man allein daran, daß die beiden gemäß DWZ stärksten Schachspieler von Concordia Viersen (Sven 2092, Christian 2083) nur auf Rang 9 und Rang 10 gesetzt waren. Der ranghöchste Teilnehmer hatte sogar eine DWZ von über 2300. Mit 1869 war ich auf Rang 14 (von 23) gesetzt. Um Gesamtsieger zu werden, muß man schon sowohl beim Laufen als auch beim Schachspielen ganz vorn landen.

Bester Concorde beim Schachturnier wurde Sven. Mit 5/7 belegte er einen hervorragenden 4. Platz und war nur deshalb nicht dritter geworden, weil der punktgleiche Drittplazierte eine bessere Buchholzwertung vorzuweisen hatte.

Auch für mich lief es sehr gut. Nachdem ich in der ersten Runde verloren hatte, siegte ich drei mal nacheinander, einer der Besiegten war der auf Rang 1 gesetzte 2300er, ein anderer war Sven. Aus den letzten drei Runden holte ich zwar nur noch einen Punkt, mit 4/7 belegte ich allerdings Platz 9, womit ich mir den 2. Platz in der Gesamtwertung sicherte.

Christian gewann 3 Partien und verlor 4, was ihm den 15. Platz einbrachte.

Als Anerkennung für den 2. Gesamtplatz schenkte mir der Veranstalter einen ordentlichen Pokal, und für den Sieg beim Lauf gab es eine Flasche Wein.

 

Uns allen hat der Schlauf 2001 sehr großen Spaß gemacht, auch wenn Christian ohne Erkältung am 10km-Lauf noch viel mehr gefallen gefunden hätte und Sven noch tagelang einen ordentlichen Muskelkater mit sich herumschleppte.

Wir drei werden jedenfalls im nächsten Jahr ganz bestimmt wieder in Rheine Schlaufen. Vielleicht hat ja sonst noch jemand Lust bekommen, ein Schläufer zu werden. Alles Offizielle über den Schlauf kann man unter folgender Internetadresse finden:

http://www.r-net.de/rheine/schach/SCHLAUF/schlauf.htm

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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Stand: 20. Juni 2001