6. Spieltag (5. 2. 2012)
Emmericher SC I - Concordia Viersen I 3½ : 4½
Erster !
Bei klirrender Kälte fuhren wir am Sonntag zum weitesten Auswärtsspiel der Saison beim Emmericher SC (Michael Gerndorf mit Startschwierigkeiten, kam erst nach Spielbeginn, aber noch rechtzeitig um seine Partie zu spielen). Das Spiellokal war gut geheizt und die freundliche Frage, ob man vor Beginn mal alle Fenster aufreißen sollte, wurde ebenso freundlich verneint (Ralph, der einen Fensterplatz erwischt hatte, drehte dann heimlich die Heizung herunter – nicht daß ich etwas davon bemerkt hätte, ich zitterte den ganzen Tag nur vor Anspannung und erst auf den letzten Minuten meines Heimwegs vor Kälte). Die Kaffeemaschine war heute nicht in Bestform, und vor Spielbeginn hatte ich ein unangenehmes Erlebnis mit einer verklemmten Toilettentür, die sich nur von außen öffnen ließ, während ich drinnen war – danke, Wilfried, für einen gut gezielten „Befreiungsschlag”. Aber ansonsten können wir uns nicht beklagen; die Emmericher sind gute Gastgeber, und insgesamt ist es uns heute gut gegangen.
In seiner Begrüßung vor Spielbeginn deutete der Emmericher Mannschaftsführer kurz an, daß es in diesem Spiel wahrscheinlich um die Tabellenführung gehe – okay, mehr brauchte man kaum zu sagen, es war vermutlich allen Beteiligten völlig klar. Die Gastgeber traten in starker Aufstellung an, erstmals in dieser Saison mit Romuald Palluch am 3. Brett, und wieder mit den bislang sehr erfolgreichen „Stammersätzen” Kristoffer Kerkhof und Krzysztof Woszczyk an 7 und 8. Wir spielten heute mit Michael statt Michael – Michael Oehlers setzte aus, dafür war Michael Hartges mit von der Partie.
Die Partien begannen langsam, an den meisten Brettern sah es zunächst nach einem vorsichtigen Abtasten aus, nur am 8. Brett ging es im Schnellschachtempo zur Sache.
(Brett 8) Krzysztof Woszczyk – Michael Hartges 0 : 1
Michael und sein Gegner tauschten beschleunigt alle ab, bis sie in ein Turmendspiel kamen. Turmendspiele sind bekanntlich immer remis, und meistens auch, wenn der Gegner einen Mehrbauern hat; aber wenn der Mehrbauer ein gedeckter Freibauer auf der 7. Reihe ist, ist das eine andere Sache. Wieder eine andere Sache ist es, wenn dann das Handy des Gegners klingelt, und so fand die Partie ein abruptes und unerwartetes Ende.
Ein glücklicher Punkt, zweifellos. Aber in so einem Mannschaftsspiel ist jeder Punkt wichtig, und morgen fragen wir nicht mehr, wie er zustande gekommen ist.
Danach dauerte es lange bis zum nächsten Ergebnis; nur eine weitere Partie endete vor der Zeitnotphase.
(Brett 5) Egon Klaus – Hans-Joachim Heimer ½ : ½
Egon hatte bald eine optisch schöne Stellung, aber bei geschlossenen Bauernketten quer übers Brett wenig praktische Möglichkeiten. Schließlich gelang es ihm, die h-Linie zu öffnen und mit seiner Dame in die gegnerische Stellung einzudringen, gleichzeitig stand aber die schwarze Dame bereit, um auf der a-Linie von hinten in Egons Stellung einzusteigen. Der Remisschluß war dann die logische Folge.
In der Zeitnot vor dem 40. Zug gerieten wir kurzfristig in Rückstand.
(Brett 2) Henk Karssen – Armin Thelen 1 : 0
Armins Stellung war schon vor der Zeitnot nicht angenehm zu spielen. In der Zeitnotphase verlor er eine Figur, und bei dem Versuch, die Figur zurückzuerobern, geriet seine Dame in eine ausweglose Klemme.
(Brett 1) Michael Glinzk – Harald Frericks 0 : 1
Michael lehnte vor der Zeitnotphase ein Remisangebot ab, da er mit seiner Stellung bis dahin recht zufrieden war und an anderen Brettern mehr Schwierigkeiten für uns sah als an seinem. In der beiderseitigen Zeitnot fand Michael dann aber nicht mehr die besten Züge und nach einem Fehler mußte er schließlich aufgeben.
(Brett 6) Rüdiger Wilbrand – Ralph Bemba 0 : 1
Ralph besorgte kurz nach der Zeitkontrolle den Ausgleich. Zuvor hatte lange Zeit sein Gegner das Spiel aktiv gestaltet und Ralph mehr reagiert als agiert. Erst gegen Ende wurde Ralph selbst aktiv. Bei knapper Bedenkzeit ließ er im 40. Zug die Möglichkeit aus, den Gegner matt zu setzen, aber egal – wenige Züge später gewann Ralph einen Turm und damit die Partie.
Zwischenstand damit 2½ : 2½ bei noch drei laufenden Partien. Michael Gerndorf stand kritisch, Wilfried hatte ein langwieriges Endspiel mit einem kleinen Vorteil, und ob ich überhaupt einen Vorteil hatte, war mir nicht klar, aber ich mußte schon wieder gewinnen. Oder mußte nicht unbedingt, ein 4 : 4 wäre für die Mannschaft auch ein brauchbares Ergebnis, und falls Wilfried, der auf Gewinn spielte, es schaffen sollte, was aber nicht sicher schien ... Gewinnen war jedenfalls besser, und dann kam mir mein Gegner zu Hilfe.
(Brett 3) Christoph Hollender – Romuald Palluch 1 : 0
Meine Partie begann zunächst „langweilig” (so der Befund meines Gegenübers) und gewann erst an Fahrt, nachdem ich mich halbwegs in Zeitnot gebracht hatte. Zuvor stand ich etwas passiv, dann bekam ich Gegenspiel, tauschte dann in der Zeitnotphase die Damen und ein Turmpaar, um Druck aus der Stellung zu nehmen. Nach der Zeitkontrolle verblieb ein Endspiel mit Türmen, ungleichfarbigen Läufern und jeweils 4 Bauern, das ich trotz meines entfernten Freibauern eher remislich einschätzte. Wenig später opferte mein Gegner eine Qualität für einen Bauern – danach war die Stellung offenbar forciert gewonnen für mich, und ich fand den drittschnellsten Gewinnweg.
(Brett 4) Jürgen Bramkamp – Michael Gerndorf 1 : 0
Michael mußte in einer Stellung mit entgegengesetzten Rochaden einen massierten Angriff auf seinen Königsflügel abwehren, was ihm unter Schwierigkeiten gelang. Nach der Zeitkontrolle hatte Michael im Endspiel eine Qualität mehr, sein Gegner dafür drei Mehrbauern, mehr als ausreichende Kompensation. Als nichts anderes mehr ging, versuchte Michael ein Turmopfer mit einer kuriosen Pattfalle, doch nach langem Suchen fand sein Gegner schließlich noch einen Ausweg.
(Brett 7) Wilfried Rahn – Kristoffer Kerkhof 1 : 0
Damit hing der Ausgang des Mannschaftskampfs allein an Wilfrieds Partie, und Wilfried meisterte die Situation mit Bravour. Nach lange Zeit ausgeglichenem Spielverlauf tauschte er die Dame gegen zwei Türme, um ein kreatives Ungleichgewicht zu schaffen, und machte sich dann daran, die schwachen schwarzen Bauern einzusammeln. Nach langem Manövrieren, um dem immer wieder drohenden Dauerschach auszuweichen, gelang es schließlich, den letzten schwarzen Bauern vom Brett zu entfernen, während Wilfried neben seinen beiden Türmen noch zwei Bauern und damit eine gewonnene Stellung blieb. Bald darauf stellte sein Gegner in größter Zeitnot die Partie ein und gab auf.
Große Glückwunschrunde, Händedrücken, Schulterklopfen – nach fast sechsstündigem Kampf hatten wir gewonnen! Der Sieg brachte uns zugleich die Tabellenführung, und die haben wir nun (dank der Schützenhilfe aus Süchteln mit einem Sieg gegen St. Tönis) allein inne.
Dementsprechend heiter ging es auf den Rückweg. Michaels Navi lotste uns auf einem ungewohnten Weg durch unbekannte Dörfer und verhübschte uns so den ausklingenden Nachmittag mit Ausblicken auf die schöne niederrheinische Landschaft; und die Anekdoten, die wir dabei erzählten, würden ausreichen, um drei weitere Berichte zu füllen.
Das nächste Spiel der 1. Mannschaft ist am Sonntag, den 26. Februar, ein Heimspiel gegen Turm Krefeld III.
Christoph Hollender
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Stand: 5. Februar 2012
